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Wie man Kurzsichtigkeit bei Kindern vorbeugt

Von Christian Behrens

Steintor. Ein Augenschmaus: Karottensaft und Brombeeren. Die freiberufliche Sehtrainerin Dagmar Wanschura tischt das gesunde Obst und Gemüse nicht nur in ihren Volkshochschulkursen gerne auf. In der Goethestraße im Steintor hat sie eine eigene Praxis eröffnet. Wie aus Brillenträgern Bücherwürmer werden und wie die Arbeit vor dem Bildschirm ein Auge arbeitslos macht, erläuterte sie dem Stadtteil-Kurier-Mitarbeiter und machte ihn fit für den Kampf gegen die Kurzsichtigkeit.

Sehtrainerin Dagmar Wanschura hält die Perlenschnur für Christian Behrens. Viele Brillenträger, hat sie festgestellt, tun wenig für ihre Augen. Und einige tragen auch Gläser, die zu stark für sie sind. Das Sehtraining soll neue Horizonte eröffnen.

(c) Walter Gerbracht
Sehtrainerin Dagmar Wanschura hält die Perlenschnur für Christian Behrens. Viele Brillenträger, hat sie festgestellt, tun wenig für ihre Augen. Und einige tragen auch Gläser, die zu stark für sie sind. Das Sehtraining soll neue Horizonte eröffnen.
"Wenn Kinder kurzsichtig werden, verkleinert sich ihr Horizont. Sie nehmen nur noch Dinge in ihrer unmittelbaren Nähe wahr", sagt Dagmar Wanschura. Brillen verstärkten diesen Effekt noch zusätzlich, weil die Kinder zum Beispiel nicht mehr so einfach Sport machen könnten. "Sie ziehen sich dann zurück. Viele beginnen, sehr viel zu lesen und kommen auch in der Jugend dann nur schwer aus sich heraus."

Kurzsichtigkeit bei Kindern ist sehr häufig. Dies wird auch durch den immer früheren und häufig maßlosen Umgang mit Spielekonsolen und Computern gefördert. "Rennspiele sind am schlimmsten, weil man da so schnell reagieren muss", sagt Dagmar Wanschura. Schon jetzt seien zahlreiche Kinder bei ihr in Behandlung. "Am liebsten würde ich Sehtraining als Fach in der Grundschule anbieten." Denn häufig ließen sich kleine Sehschwächen noch so weit ausgleichen, dass die Kinder dauerhaft ohne Brille auskommen.

Auch Dagmar Wanschura trug als Jugendliche eine Brille. "Dann habe ich ein Buch über Sehtraining gelesen. Nach einiger Zeit habe ich dann besser ohne Brille gesehen", sagt sie. Die Entscheidung zu einer zweiten Karriere als Sehtrainerin war für die gelernte Hotelfachfrau aus dem Steintor somit leicht. "Ich finde es seltsam, dass jedem Organ eine Selbstheilungsfunktion zugeschrieben wird, nur dem Auge nicht.

Die Sehtrainerin kritisiert diejenigen Optiker und Augenärzte scharf, die zu starke Brillen verschrieben. "Da kommen die Menschen dann am Ende eines langen Arbeitstages, nachdem sie acht Stunden vorm Computer gesessen haben, in einen schlecht ausgeleuchteten Raum. Da sind schlechte Werte dann vorprogrammiert." Glücklicherweise gingen die großen Optiker mittlerweile dazu über, Sehtrainer einzustellen und teilweise auch den Rückschritt auf "schwächere" Gläser zu bezahlen. Dies legt sie auch dem Zwanzigjährigen ans Herz, dessen Augen sich schon in bemitleidenswertem Zustand befinden.

"Nur ein Drittel der Augenmuskeln wird tatsächlich genutzt. Gerade Brillenträger bewegen eher den Kopf mit, als einfach den Blick schweifen zu lassen", sagt die Trainerin. Dagegen hilft die Übung "Liegende Acht". Dagmar Wanschura hält ihren Daumen etwa 30 Zentimeter auf Augenhöhe vor ihr Gesicht und fixiert den Nagel. Dann zeichnet sie eine auf der Seite liegende Acht in die Luft, während sie mit dem Auge stets den Daumennagel verfolgt, und wechselt den Daumen. "Das machen Sie drei bis viermal. Das reicht, denn diese Übung ist sehr anstrengend."

Eine weitere Übung ist die "Perlenschnur". Dagmar Wanschura befestigt das eine Ende an der Wand. Das andere muss der Proband an seine Nasenspitze halten. Drei Kugeln sind in etwa gleichmäßigen Abständen auf die Schnur gefädelt. Die Kugeln müssen nacheinander mit dem Auge anvisiert werden. "Wenn man eine Kugel fixiert, sieht man von den anderen jeweils zwei, die sich auf zwei Schnüren befinden, die sich in der anvisierten Kugel kreuzen." Diese Übung trainiert das Zusammenspiel beider Augen miteinander, das dreidimensionale Sehen. Nach langen Stunden vor dem flachen Computerbildschirm wird manchmal nur noch ein Auge verwendet. Das ist sehr anstrengend, weil das Gehirn die dritte Dimension ins Spiel bringen muss.

Normalerweise stellt Dagmar Wanschura jedem, der zu ihr in den Einzelunterricht kommt, ein individuelles Programm zusammen. Dabei spielen nicht nur die Lebens- und Sehgewohnheiten eine Rolle. "Die Übungen müssen auch Spaß machen, sonst wirken sie nicht." Im Regelfall besteht ein Sehkurs aus vier bis fünf Sitzungen und dauern jeweils etwa eine Stunde. Eine Stunde Einzelunterricht kostet 45 Euro.

Eine Garantie für einen sichtbaren Erfolg gibt die Sehtrainerin nicht. "Da kommt man dann schnell in die Schmuddelecke. Dennoch haben sich in den meisten Fällen positive Entwicklungen gezeigt, und es konnte zumindest eine Verschlechterung der Augen verhindert werden." Für die Zukunft hat sich die Existenzgründerin aus dem Viertel weitere Angebote für Menschen ausgedacht, die auch ihren Augen einmal etwas Gutes tun wollen.

Am 21. Oktober leitet sie ein Volkshochschulseminar mit dem Titel "Augenschmaus - Für die Sehkraft kochen!". Ein ganzes Menü aus augenfreundlichen Gerichten möchte Wanschura mit den Teilnehmern kochen, selbstverständlich ergänzt durch ein paar Sehübungen.

Weitere Seminare von Dagmar Wanschura finden sich auf www.vhs-bremen.de und im neuen VHS-Programm. Wer selber ein Sehtraining machen möchte, kann Dagmar Wanschura in der Goethestraße 25 unter 7946842 erreichen.

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